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	<title>fallen/legen &#187; grüß gott und den elektro im ohr</title>
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		<title>Windhunde &#8211; Teil Drei</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 20:27:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario Wimmer</dc:creator>
				<category><![CDATA[grüß gott und den elektro im ohr]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>Grüß Gott, und den Elektro im Ohr.</strong> Erzählungen zwischen Nieder- und Oberbayern, mit Exzess und Extase gegen Tragik und Tristesse. Die zweite große Geschichte, das Finale: 

<a href="http://fallen-legen.de/2010/03/windhunde-teil-drei/">Windhunde - Teil Drei</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.fallen-legen.de/_fl2/wp-content/uploads/2009/10/G_gg_cover_1.jpg" alt="" /></p>
<p><em><a href="http://fallen-legen.de/2009/12/windhunde-teil-eins/">Teil 1</a> und <a href="http://fallen-legen.de/hinweisend/windhunde-teil-zwei">Teil 2</a></em></em></p>
<p>Im Abstand von vielleicht einem halben Meter jagt Strauss hinter Brandt her, geifernd, schnappend, schnaubend, immer wieder arbeitet er sich heran und reißt das Maul auf &#8211; krachend schlagen seine Zähne aufeinander wenn er Mal um Mal Brandts Läufe verfehlt weil der gerade noch einen Satz macht oder selber nach hinten schnappt, so dass Strauss seine Schnauze zurückreißen muss. Wenn er nur weiter wie ein dummes Schaf in Richtung der alten Güllegrube läuft soll Strauss das recht sein. Die alte Güllegrube, ein Monstrum, gut 15 Meter im Durchmesser, vier Meter tief und senkrechte Wände. Drüber liegen ein paar morsche Latten und drin steht weit über hundekörperhoch das Brackwasser. Mit einem Sprung setzt Brandt über den niedirgen Kanninchenzaun der den Gemüsegarten vom Hof trennt und  Strauss folgt ihm mit Leichtigkeit. Die lockere Erde stiebt unter den Hundeläufen in alle Richtungen davon, dünne Stützstangen splittern und zarte Halme knicken als die Hunde sich rücksichtslos ihren Weg durch das kleine Gärtchen bahnen. Panisch gackern die Hühner die über Nacht in dem kleinen Verschlag am Fuss des Gartens untergebracht sind. Die Hunde ignorieren sie und pflügen weiter durch die Bete, mit Leichtigkeit überspringen sie den Zaun der den Garten zur Wiese hin abschirmt und jagen in Richtung einer kleinen Lichtung im alten Obstbaumbestand: die Güllegrube.</p>
<p>Auf der Geraden müsste noch was gehen, neben den Tarek schafft er es auf jeden Fall, überholen kann wird er ihn zwar nicht, weil in der Endgeschwindigkeit geben sich die zwei nicht viel, aber der Tarek muss vor dem Kreisel früher bremsen. Jaulend jagen die beiden Fahrzeuge um die Kurve am Ortsausgang, dann liegt sie vor ihnen, die langezogene Linkskurve, den Hügel runter und unten die Gerade. Vielleicht einen knappen Kilometer vom Kurvenende bis zum Kreisel liegt sie da im stillen Schein einsamer Laternen, die ein erwartungsfreudiger Kommunalplaner zusammen mit einigen Alleebammerln an ihren Seiten gepflanzt hat. Gedämpft-gelb und heimelig, eine Strasse auf der im Sommer die Bua und Madl vom Badesee heimradeln werden, während Mücke um Mücke summend am Glas verdampft. Den Hügel runter Schwung holen, die Kurve am Maximum ausfahren, genervt umklammert die Marie die Schlaufe über der Beifahrertür. &#8220;Karlo! Ja, glei, ned jetzt&#8230;&#8221; Der Tarek ist über den Scheitelpunkt raus und drückt aufs Gas, der Karlo zieht hinterher. Nach der halben Strecke hat er ihn, der Tarek meint es nicht böse und bleibt rechts, der Karlo geht voll nach links. So jagen sie dahin, Windhunde mit grellfunkelnden Nebellichtzähnen, zwei, dreimal Blinzeln, ein Schnauben von der Marie, ein Hänger in der CD vom Tarek vielleicht, dann müssen sie bremsen, dann muss der Tarek bremsen.</p>
<p>Geräuschlos jagen sie dahin, das feuchte Gras raschelt nur ein wenig wenn die Hundepfoten sich kurz in ihm festkrallen um die Körper ihrer Besitzer weiter vorwärts zu treiben. Sie gelangen auf den Sandweg und auch hier bleibt ihr Sprint lautlos, einige Kiesel die unter den Pfoten wegkullern, ein wenig Sand der davonstäubt, und das Hecheln feuchter Hundekehlen, mehr dringt nicht in die graue Nacht. Im Hintergrund rascheln die schwarzen Obstbäume, knarzt das frische Holz des Stalles, brummen irgendwo zwei Automotoren und tragen die Aufmerksamkeit davon, bis die beiden Hunde die Grube erreichen und ihre Pfoten plötzlich auf die morschen Bretter trommeln. Zuerst Brandt und dann Strauss, sein dumpfes Echo, ihm bei jedem Sprung nachsetzend, schnappend, beißend, geifernd, bu-bumm, bu-bumm und dann endlich das Splittern morscher Bretter &#8211; Brandt reißt den Kopf herum, Strauss ist mit beiden Hinterläufen eingebrochen, krallt sich verzweifelt mit seinen Vorderläufen fest und wirft seinen schweren Körper in dem Versuch hin und her sich aus dem Loch zu hiefen. Der Geifer tropft ihm aus dem hechelnden Maul, die Anstrengung lässt sein Wutgeheul zum giftigen Gurgeln verkommen. Brandt dreht sich vollends um und macht einige vorsichtige Schritte in Richtung Strauss, der hebt den Kopf und Brandt beißt zu.</p>
<p>Ha, Jetzt bremst er! Brems! Bua, brems! Brems &#8211; jetzt! Mindestens zehn Meter zu spät, aber jetzt bremsen beide, dreschen das Pedal bis auf die Fussmatte und beten. Beten mit ihren Händen die verkrampft das Lenkrad umklammern, beten mit ihren Füßen die verzweifelt das Bremspedal von sich drücken, beten für das Glück der Dummen, Jungen, Übermütigen. Manchmal brauchst ein Glück, manchmal brauchst ein Glück! Jetzt greifen die Bremsen, das geht schon noch, jetzt blockieren die Räder, geht schon, geht schon, jetzt &#8211; jetzt ist die Fahrbahn nass. Vielleicht zwei Meter breit läuft seit heute Nachmittag ein Rinnsal über die Strasse. Der Graben hat keinen Namen, der Damm und die zwei Lausbuam die ihn gebaut haben auch nicht, aber auf vielleicht zwei Metern, da ist die Fahrbahn nass. Der Golf bricht zuerst aus, allerdings nicht all zu weit bevor er wuchtig in den Bordstein der Kreiselinsel kracht. Brutal entreißt der Granit dem Golf erst die schwarze Frontschürze, zerfetzt anschließend die Reifen und lässt schließlich ächzend die Achse brechen. Fast sanft setzt der Golf anschließend mit der Motorwanne auf dem gemulchten Hügel auf und schlittert einige Meter, bevor wieder abhebt. Und während der Tarek und sein Golf für einen Moment in der Luft verharren, donnert hinter ihnen der BMW mit dem Seppi und der Kathi in den harten Stein. Auch der verliert zuerst die Schürze, dann die Vorderreifen und die -achse, bevor er allerdings sanft in der Mulche aufsetzen kann fängt sich das linke Hinterrad an der Bordsteinkante und plötzlich schleuert der BMW das Heck nach oben und seinen Körper zur Seite. Statt sanft aufzusetzen wühlt sich seine Schnauze tief in die Erde, staucht und verdreht sich, bevor ihn der eigene Schwung weiter über den Hügel schleudert. Und wenn der letzte Moment in einem Leben tatsächlich wie in Zeitlupe ablaufen, wenn, Vorahnung auf die Ewigkeit, alles stillzustehen scheinen sollte, wenn man noch einmal über sein Leben nachsinnen oder sich umschauen könnte, dann wäre das dieser Moment. Dieser stille Moment in dem es scheint als würden der Golf und der BMW, die Mulchebrocken und Erdklumpen, Grasfetzen und Plastiksplitter, die Schwerkraft doch bezwingen und alles würde gut.</p>
<p>Beißt zu und packt Strauss am Nacken, rammt seine Zähne in das Fell und das Fleisch, Geifer und Schweiß mischt sich mit Blut, für einen Augenblick verstummt Strauss, dann reißt Brandt an. Zieht seinen Kopf nach oben und wirft seinen Körper mit aller Macht nach hinten, vor Schmerz und Wut jaulend setzt Strauss zur Gegenbewegung an, versteht erst im letzten Moment und zieht seinen Körper mit letzter Kraft in die gleiche Richtung. Die Latten beben und knirschen unter der Gewalt der beiden Hunde, als die beiden über sie kugeln, ein einziges Knäuel aus Fell, Geifer, Staub, Blut, Erde und Schweiß und erschöpft liegenbleiben. Im Bauernhof geht das Licht an, erst im Schlafzimmer, dann im Gang und schließlich auf der Tür raus zum Gemüsegarten: &#8220;Brandt? Brandt! Gehst du her! Her da! Brandt!!&#8221; Keiner der Hunde rührt sich bis das Geschrei verstummt, hier liegen keine Windhunde mehr, hier liegen zwei verdreckt Häufchen Elend die hechelnd nach Luft und Kühlung schnappen während ihnen der Schaum von den Leftzen tropft. Weiß dampfend steigt der Atem aus ihren Mäulern und der Schweiß von ihren Flanken, sie kauern, sie verharren, sie warten, auf den Moment in dem sie ihre Läufe wieder tragen, dann erheben sie sich still und unsicher wankend. Starren einander vor Anstrengung, Schmerz und Aufregung zitternd an. Strauss setzt zu einem grimmigen Knurren an &#8211; und bricht ab. Erschöpft schüttelt er sich Schweiß, Erde und Gras aus dem Fell und macht sich auf den Weg zurück zu seinem Hof. Müde und gespannt blickt Brandt ihm nach bis er über die Anhöhe verschwunden ist, bevor er sich zurück zu seinem Hof schleppt. Dunkel, leer und still liegt die B12 da, nur in der Ferne, da jaulen zwei Motoren.</p>
<p>Während der BMW sich wirbelnd überschlägt, mit jedem Teil seines Torso einmal aufsetzt, aus allen Richtungen bittere Schläge erhält, jaulend und kreischend nachgibt, segelt der Golf für lange Zeit still durch die Luft, bis er mittig ein Alleebamerl trifft. Ein Allebamerl vielleicht doppelt so dick wie die Stangen die es noch stützen, vielleicht auch dicker, wie ein Männerbein, das immer noch bremst vielleicht, ein dünnes Bammerl, das sich ein wenig biegt und dann die Motorhaube teilt, auch nicht bricht wenn es der Motorblock trifft, sich nur ein wenig neigt, bis der Schwung den Golf zur Seite dreht und drückt. Ihn in den Boden rammt und drückt, in quetscht und staucht. Beide Körper bohren sich in den Boden, knirschend splittert Glas, knallend birst Plastik und jaulend gibt Metall nach. Lichter die verlöschen, Karosserien die an vorgesehenen Punkten jede Form verlieren, Leitungen und Tanks die ächzend leckschlagen&#8230; ein letztes Zittern und Knirschen dann bleiben sie geschunden liegen, die beiden Windhunde. Unter ihnen mischt sich langsam die gelbliche Bremsflüssigkeit mit dem dicken Schwarz des Motoröls und dem flinken Rotton des Benzins. Funken, die schlagen und im leicht süßlichen Geruch des Benzindampfes versinken, um zu Feuerbällen zu wachsen. Die Druckwelle der Explosion lässt die jungen Alleebäume zittern, fetzt ihnen das dürre Laub von den Ästen und verbrennt es bevor es geschockt zu Boden taumeln kann. Glühende Glasscherben sausen sirrend durch die Luft während der Flammenball sich immer mehr Raum greift, greift, greift &#8211; und in sich zusammenfällt. Still glühen die versengten Grashalme, schmoren die Leitpfosten, lecken blau-orange Flammen über die Motorhaube &#8211; wobei, das ist kein Film, hier lecken keine Flammen,</p>
<p>- hier leckt nur Blut.</p>
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		<title>Windhunde &#8211; Teil Zwei</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 00:34:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario Wimmer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong>Grüß Gott, und den Elektro im Ohr.</strong> Erzählungen zwischen Nieder- und Oberbayern, mit Exzess und Extase gegen Tragik und Tristesse. Die zweite große Geschichte: 

<a href="/hinweisend/windhunde-teil-zwei">Windhunde - Teil Zwei</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.fallen-legen.de/_fl2/wp-content/uploads/2009/10/G_gg_cover_1.jpg" alt="" /></p>
<p><em>Teil 1 gibt es <a href="http://fallen-legen.de/2009/12/windhunde-teil-eins/">hier.</a></em></p>
<p>Na sauber, denkt der Karlo sich. Und jetzt? Raus gehen tut er sicher nicht, immer die gleiche Masche, wenn es ihr zu viel wird, wenn es ihr zu spät wird, wenn sich nicht alles um sie dreht, dann wird geheult. Und er, er hupft natürlich und tröstet, die Tränen sind dann ganz schnell trocknen, er ist da und alles ist gut. Klasse Abgang, Karlo, klasse Abgang mit deiner Alten. Jetzt steht er doch draußen, draußen vor der Tür, da hinten hockt&#8217;s, sein Häufchen Elend. Gibt garantiert wieder eine Blasenentzündung und dann wieder wochenlanges lamentieren und leiden. Richtig gut, Karlo. Und keinen &#8211; ein Krampf ist das mit der, aber mit der Moni wäre es sicher auch nicht anders, außerdem war der ihr Dekolletee heute mal wieder nur noch ordinär. Und ihr Bier lässt sie sich auch immer sauber von irgendjemandem zahlen. Was sagt er denn jetzt? Karlo, ganz großartig &#8211; dann halt halt dein blödes Maul du Arsch! &#8211; brüllend dreht er sich um und haut dem Michi ansatzlos die Faust ins Gesicht. Was muss der ihn auch drei Mal schief anlabern, der Depp. Spuckt er halt Blut, Drecksack der, will der der Lou was beweisen? Dann gehört&#8217;s ihm aber auch nicht anders, und noch eine, und noch eine. Beim letzten Schlag bevor der Michi zu Boden geht knackst irgendwas &#8211; dem Karlo seine Hand ist es nicht, das spürt er &#8211; naja dann hat er wenigstens morgen noch was von seiner vorlauten Bappn, fix. Ja, spuck nur, Arschloch. Karlo! Karlo! Lass sein. Der Tarek der sich breit vor ihn stellt, in den Arm nimmt und weg schiebt. Da schauts, ihr Lackaffen! Karlo! schubst ihn der Tarek weg, Jetzt, fahr ma, klar? Der Karlo spuckt aus, holt die Marie und steigt in seinen Audi.</p>
<p>Das Jaulen und Kläffen ist zu einem stillen Hecheln erstickt, Seite an Seite jagen die beiden struppigen Hunde durch den alten Obstgarten auf den G&#8217;schwendtnerhof zu. Schwer und mächtig liegt das schwarze Haupthaus auf dem grauen Hügel, breiten sich die Silos, der Stall und die Maschinenhalle über den breiten Rücken aus. Gespart haben sie vor guten 70 Jahren nicht die Brüder G&#8217;schwendtner, wie sie sich jeder seinen Hof auf einen der beiden Hügel haben bauen lassen. Der Johann auf der Seite, der Anderl auf der anderen. Verstanden hat die zwei keiner, dass sie nach dem Brand einen neuen Hof bauen, eh klar, dass jeder seinen eigenen Hof baut, freilich, aber grad gegenüber? Von klein auf haben sich die zwei bekriegt, geprügelt und geschlagen wie die Berserker. Egal welcher Anlass und ob der Große dem Kleinen oder umgekehrt, irgendwas war immer und wenn dann noch kein Blut geflossen ist dann sicher nachdem sie der Vater erwischt hat. Bei jedem Satz fliegt den Hunden der Geifer in weißen Fetzen von den Leftzen, reißen sich kalte Schweißtropfen von ihrem Rücken los, immer wieder schnappen die beiden wütend nacheinander. Erinnern tut sich daran kein Mensch mehr, nicht an den Brand, den Vater, die Lisbeth, den Stachus, nicht an den Johann und den Anderl. Nicht an die Kattl wegen der sich die zwei beim Wirt fast abgestochen hätten, nicht an den Wirt, den falschen Nazi, der die zwei mit seinem feigen Lynchkommando später durch die Donauauen gejagt hat. Angeblich hat der Anderl nach dem Johann gebrüllt bevor sie ihn aufgehängt haben. Kein Mensch erinnert sich dran, nur die zwei Hunde die spüren sie noch, die Konkurrenz, den Ehrgeiz und die Sturheit.</p>
<p>Mit aller Gewalt knallt der Karlo den Rückwärtsgang rein, links und rechts spritzt der Kies wie er mit durchdrehenden Reifen zurücksetzt. An der Ausfahrt zur Bundesstraße wartet dem Tarek sein Golf schon mit glühenden Augen und grummelndem Gas. Knirschend rutscht die Schnauze des Audi in die Gerade, er schaut die Marie an, die starrt grantig zurück. Krieg dich ein Karlo, den Machoscheißdreck kannst dir echt sparen, hättest lieber Mal mir und nicht der ordinären Presswurscht ein Bier gezahlt, hmmm? Ich find&#8217;s ja gut, dass du dich um mich kümmerst aber, dass es bei euch Burschen immer in saublöde Machospielchen umschlagen muss&#8230; Was soll denn der Michi morgen in der Arbeit machen? Mit einer dunklen Sonnenbrille kann er den alten Trudscherln in der Bank ja schlecht eine private Altersvorsorge einreden, mit dem Feilchen aber sicher auch nicht. Der Karlo sagt nix, dreht den Techno auf, kuppelt, und jagt mit durchdrehenden Reifen runter zum Tarek. Fenster auf und schreit: He Türk, hast überhaupt schon einen Führerschein? Dich rauch ich in meiner Wasserpfeife, Bauernbua, lacht der Tarek und zieht ihm davon. Weit kommt er nicht, denkt der Karlo sich, ich hab mehr PS und zieht hinterher. Wie die Windhunde, glühende Augen und bellende Auspuffrohre, auf schwarzen Bundesstrassen, durch niederbayrisches Grau, irgendwo, zwischen Tag und Nacht. Mann, Karlo! Zefix, hast du mir überhaupt zugehört, was soll denn das Gerase jetzt? Dann legst deine Hand auch nicht da rüber, mit der kannst schalten oder sonst was machen, aber ich hab da jetzt echt keinen Bock drauf, auf deine scheiß Alphanummer, ich will jetzt heim. Na, da kommen wir bei der Tour eh vorbei, meint der Karlo drauf und lacht.</p>
<p>Mit brachialer Gewalt bricht auch Brandt durch das kleine Gebüsch das die Obstwiese vom Hof trennt und jagt über den Kiesplatz. Haus, Silos, Stall &#8211; Wände an drei Seiten und hinter ihm Strauß, er wirbelt herum. Und wieder umtanzen die beiden einander, kein Bellen, kein Kläffen, nur Hecheln und schnappen und knurren, der Kuhstall ist groß und modern und – offen. Mit einem Satz ist Brandt durch das Tor, Strauß schnappt ins Leere, Zähne knirschen, wütend aufheulend setzt er Brandt nach. Kläffend, schnappend, geifernd jagen die beiden struppigen Keile durch den langen Gang zwischen den Gattern. Nervös trappeln die Kühe in der Dunkelheit, schieben und drängen ihre runden Körper gegen das matte Metall, glotzen ängstlich mit ihren großen, glasigen Glubschaugen. Knapp hintereinander jagen die beiden auf das helle grau des hinteren Tors zu. Brandt voraus, Strauß um einen halben Körperlänge nach hinten versetzt. Unvermittelt macht Brandt einen Satz nach vorn, Strauß reagiert zu spät, sein rechter Vorderlauf fängt sich im Viehgitter, er strauchelt, fällt und überschlägt sich aus vollen Lauf. Nach dem dritten Überschlag fängt er sich auf allen Vieren, das Fell wild zerzaust, voller Staub und Stroh, donnernd bellt er Brandt hinterher, ängstlich muht eine Kuh, Strauß knurrt  wütend, im Dunkeln glitzern weiße Zähne, in Panik fällt die Herde ein. Straußs Knurren steigert sich bis zum Bellen, die Kühe brüllen und trampeln, eine Kakophonie der Panik und Wut die den Stall bis unter die Holzdecke füllt. Bis Strauß verstummt, Brandt fixiert der ihn einige Meter entfernt mustert und ihm schließlich wieder nachsetzt. Am Stall entlang und durch das kurze Gebüsch an den Silos vorbei, er ahnt bereits wohin Brandt ihn führt.</p>
<p>Man merkt ihr die lange Nacht schon ein bisschen an, da wo sich im Mundwinkel beim Lachen die Falten bilden hat das Make-Up angefangen ein bisschen zu bröseln. Am liebsten würde er rüber langen und ihr über die Wange streichen. Oder vielleicht einfach den Kragen von ihrer Bluse wieder umknicken. Er legt seine Hand auf den Schaltkauf, wechselt blitzschnell von der Bremse zur Kupplung, drischt sie bis aufs Bodenblech, schält in den sechsten Gang, jetzt berührt sein kleiner Finger ihren Oberschenkel genau da wo sich ihr blasser Jeansrock und die dicke, schwarze Strumpfhose treffen, lässt die Kupplung hoch schnalzen und tritt stattdessen das Gas wieder voll durch. Der Motor jault und jagt den Audi weiter nach vorne. Der Karlo lässt seine Hand auf dem  Schalthebel, sie zieht ihr Bein nicht weg. Im Rückspiegel schlingert der Golf ein wenig und fängt sich wieder, in der Rechtskurve beim Mosner hat er ihn einfach rausgeschnitten, den Tarek, keine Chance mit den  alten Bremsen. Abgehackt dröhnt der Subwover noch über das Röhren der Endrohre weg, das Nummerschild klappert im Takt mit dem Bass, da gehört morgen nach der Arbeit noch ein Schaumstoff rein. Nix geileres wie Auto, Techno, Mädel und hinter den Hügeln da lauert die Sonne. Apropos lauern, gleich im Ort, hinter der Ersatzpflanzung beim Wirt da lauert ein Blitzer. Und da der Tarek viel weniger Punkte hat und er die Karre für die Ausbildung braucht, wird der ihn da wohl kriegen, aber nicht ohne Kampf. Die leuchtenden Xeon-Augen in seinem Rückspiegel werden langsam nervös, der Tarek beginnt von links nach rechts zu schlenkern, links, rechts, links, rechts, der Karlo geht langsam mit. Hinter dem Ortsschild, da muss er bremsen, kurz vor dem Wirt ist eine kleine Verkehrsinsel, da wird es der Tarek probieren. Links, rechts, links, rechts, weiß glühen die Augen in seinem Rückspiegel, links, rechts, links, da ist die Insel, der Rückspiegel wird weiß, der Drecksack hat aufgeblendet, also rechts, rechts! Nein, links, zefix, da zieht der Tarek vorbei, nimmt die vollen 70 oder 80 mit auf die Gerade und setzt sich gut ab. Fix, fix, fix, den kriegt er wieder, draußen vor dem Kreisel.</p>
<p><em>Teil 3 folgt dann nächste oder übernächste Woche, mal schauen wie es läuft, grad ein bisschen stressig.</em></p>
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		<title>Windhunde &#8211; Teil Eins</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 16:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mario Wimmer</dc:creator>
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<p>Das Fett macht seine dunklen Haare leicht struppig. Lässt sie in festen Büscheln von seinem kantigen Kopf abstehen der sich dunkelbraun von der nachtblauen Landschaft abhebt. Ruhig liegt er da, den Kopf auf den Vorderläufen, die Ohren leicht schlaff. Langsam schnauft Strauß durch seine nassschwarze Schnauze. Seine Hütte liegt vor einem typisch bayrischen Hof &#8211; Haupthaus, Austragshaus, zwei Scheunen und ein Silo, ein paar Obstbäume und ein Garten, ein Misthaufen und die Güllegrube, ein kurzer Weg führt runter zur Bundesstraße. Schwarz und leer liegt die da inmitten grauer Wiesen, weiße Pfähle links und rechts, an der Linkskurve hinter den Hügel ein Marterl. Kein Licht weit und breit, Nachtfahrverbot, nur aus dem dritten Fenster links leuchtet es noch gelb, die Vroni wartet auf ihren Ältesten. Fünfe ist&#8217;s schon wieder, der Karlo wollt eigentlich nicht so lang bleiben, muss ja morgen auch in die Arbeit der Bua.</p>
<p>Wie Windhunde jagen der Golf und der Audi durch die niederbayrische Steppe. Kraftvoll drücken vier Zylinder und etliche hundert Kubik Hubraum ihre flachen Silouetten durch die Dämmerung. Bis zu den Dörfern die grau und fern im sanften auf und ab der Donauebene liegen dringt nur ein dumpfes Brummen, auf der breiten Bundesstraße hingegen entlädt sich ein infernalisches Blechbläserorchester. Dicke chromblitzende Endrohre, zwei und vier Stück durch die sich wummernd die vergewaltigte Luft drückt. Fauchend zerreißen ihre weißblauen Scheinwerfer die Stille der Bundesstraße, hetzen die leere Gerade entlang und wirbeln die staubtrockene Erde auf bis vier brüllend rote Rücklichter hinter dem nächsten Hügel verschwinden. Dicht an dicht haben sie die paar Kilometer von der Kuchl runter verbracht, die grimmigen Schlitze vom Karlo seinem Audi nur knapp vor den vier glühenden Kreisen vom Tarek seinem Golf. Zwei schwarze Schatten die durch die morgengraue Landschaft jagen, auf schwarzen Straßen durch graubraune Äcker und graugrüne Wiesen, durch hellgraue Dörfer vor dunkelgrauem Horizont. Die Zwiebelkirchen an ihrem Weg schlagen grad fünf.</p>
<p>Ruckartig schnellen aus der massigen Silouette des Hundekopfes zwei scharfe, schwarze Dreiecke nach oben, zwei spitze Ohren, die aufmerksam lauschen. In der Ferne klingt ein Brummen oder eher eine Ahnung von einem Brummen. Langsam hebt Strauß den Kopf, den Oberkörper und lauscht, der ganze Hund ein scharfes Dreieck. Die Ahnung wird zum Brummen, das Brummen zum Grummeln &#8211; Karlo! das Dreieck wird zum Viereck, Strauß steht und lauscht, das Grummeln wird zum fernen Donner &#8211; Karlo! Strauß macht einige Schritte über den Hof, ein unsicheres Bellen, der ferne Donner wird zum nahen Röhren, zum krachenden Inferno &#8211; Karlo! wild bellend stürzt Strauß vom Hof zur Bundesstrasse runter. Dort tauchen gerade der Golf und der Audi auf, Karlo, Karlo, Karlo, bellen, donnern, bellen, donnern, wie toll springt Strauß an der Straße auf und ab, die Autos rasen auf ihn zu, das bellende Inferno steigert sich zum Crescendo. Fauchend und brüllend jagen sie an ihm vorbei, kraftvoll bellend sprintet Strauß für einige Meter an ihrer Seite bis ihre roten Rücklichter in seinen Augen brennen, ein triumphierendes Heulen und ein dunkles Abschiedsgebell. Und ein kläffendes Echo, kläffendes Echo? Ruckartig wendet Strauß den Kopf und auf der anderen Strassenseite steht Brandt.</p>
<p>Der Karlo schaut die Marie an. Ihre schön zerzausten Haare, am Ansatz wächst die blonde Färbung schon raus. Ihre klarblauen Augen, das Weiß um ihre Pupillen ein bisserl rot, sie hat wegen irgendwas geweint vor zwei, drei Stunden. Ihre tiefschwarzen Wimpern, ein bisschen verklebt von zuviel Tusche, an einer hängt ein richtiger kleiner Klumpen. Etwas besonderes, irgendwie. Draußen zerfetzen knappe 150  die Bäume und Büsche in grünbraungraues Chaos, grad sind sie zwischen den zwei Hügeln vom Gschwendtner und seinem Hof durch, also was heißt sein Hof, der von seine Eltern, was heißt von seinen Eltern, der von seiner Mutter halt. Die ist sicher noch auf und wart, als ob er 16 wär und man sich bei ihm noch um irgendwas Sorgen machen müsste. Er hat schon alles im Griff, zack kuppeln, zack fünfter Gang und zack die Kupplung rauf und das Gas runter, röhrend zieht er dem Tarek um ein paar Meter davon. Der bremst einfach immer zu früh, naja, vielleicht wäre das Rennen fairer wenn sie am Freitag bei beiden Autos die Bremsscheiben gewechselt hätten, so verliert er halt jede Kurve ein paar Meter. Andererseits hat er auch ein paar PS mehr in seinem scheiß A3, es gleicht sich alles aus.</p>
<p>Brandt. Den bulligen Schädel leicht gesenkt glotzt er über die Strasse, Saupreiß, Hundling der. Grimmig fletscht Strauß die Zähne, weiß schimmert das Gebiss unter seinen Lefzen, auch der dunkle Brandt zeigt Zähne. Dumpf und voll bellt Strauß, einmal, ein einziges Mal, Brandt versteift sich und das Brummen verstummt gerade am Horizont als er zu knurren beginnt. Drohend grummelt auch Strauß, zwei dunkle massige Körper mit weiß funklenden Augen und Zähnen vor grauem Hintergrund, sechs Meter schwarzer Teer und ein weißer Strich trennen die beiden. Knurren, brummen, grummeln, kläffen, bellend stürzen die beiden aufeinander los, treffen sich grad auf dem Strich, schnappend, geifernd, beißend wirbeln die zwei im Kreis. Zähne die Haarbüschel reißen, Läufe die gegen Brüste hämmern, auf den Hinterläufen tanzen die zwei. Mäuler die aneinander vorbei schnappen, bellend, kläffend, geifernd. Brandt lößt sich, entfernt sich zwei Sprünge, der Preußenköter der, wütend setzt Strauß nach. Hechelnd hetzen die beiden über die Wiese, den Hügel zum G&#8217;schwendtner Hof rauf, Kopf an Kopf, Flanke an Flanke,  erstickt bellend, schnappend, reißend, ein Kampf mit unbestimmtem Ziel.</p>
<p>Was das vorher wieder war in der Kuchl, wegen nix, wegen nix so ein Theater, als ob er was dafür könnt, dass die Moni sich ihm um den Hals schmeißt. Weiber, bloss weil er der Mal sein Janker geliehen hat, fast eine ganze Goaßnmaß hat ihr der Xaver aus Versehen beim Stadlfest über das knappe Top gekippt. Und jetzt hat sie sich halt gefreut, dass sie ihn mal wieder getroffen hat, sie haben sich ja eh länger nicht mehr gesehen. Kommt irgendwann der Tommi rüber, grad, grad hat er noch zwei Bier bestellt gehabt, kommt der Tommi rüber und meint die Lou hätt mit ihm reden wollen. Lasst er sein Bier stehen, geht rüber zu ihr, zu ihr und dem ganzen Haufen blöder Weiber, fangt sie an zu lamentieren, ob er sich nicht schämt, ob ihm denn die Marie gar nix bedeutet. Redet sicher fünf Minuten wenn nicht länger, der Schaum von seinem Bier ist schon zusammengefallen, die Moni hat auch schon halb ausgetrunken, fünf Minuten oder länger, bis er sie fragen kann ob sie eigentlich einen totalen Vogel hat, dass es sie einen Scheißdreck angeht mit wem er ratscht und ob sie nicht mit dem Alex und dem Michi genug beschäftigt wäre. Sagt sie nur drauf, dass er ein Arschloch ist und die Marie draußen heult. Und haut ab, haut einfach ab mit ihre Tratschkattln. Das Bier von der Moni ist mittlerweile leer und seins schaut auch schon verdammt lack rüber. Na sauber, denkt der Karlo sich.</p>
<p><em>Teil Zwei gibt es nächsten Freitag.</em></p>
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