fallen/legen blog

[Konzepte für's Album:] Der Tag am Meer

von Florian Naumann

Es war ein eher übler Leumund: Der Plan, ein Konzeptalbum zu machen. Eine Idee für Popmusiker, die am Hungerast ihrer Kreativität baumeln. Elf Songs über Dinge, die rot sind… So klang das am Ende; die Idee “Konzept”.
Ins neue Jahrtausend herein sieht das etwas anders aus – vielleicht liegt’s an neuen Medien. Oder an Filmtrends: Musiker spüren Momenten nach, und bauen willentlich aus einem Tag, einer Landschaft oder einem Gemütszustand ein Album. Mit neuen Mitteln, Klängen, wenig Worten. Und da ist es kein Zufall, dass das Wort “Album” auch die Bedeutung der “Fotosammlung” in sich trägt. Plötzlich macht das “Konzept” wieder Sinn: Wenn etwas Erlebtes oder im Schweiße des Angesichts Durchdachtes transportiert wird.
Was Sinn trägt, braucht Hörer. fallen/legen sieht nach den neuen Konzepten… Teil 1:
D:I:S:M‘s transfeeling: Ein Tag am Meer.

Menschliche Erlebnisse, Eindrücke gibt es in unvorstellbarer Zahl: Die Vorstellung dessen, was 6 Milliarden Menschen jeden Tag an Einzigartigkeiten erleben, an Un-Nach-Vollziehbarkeiten… sprengt jede Vorstellungskraft. Ein Stimmengewirr, ein Gedankengewirr.
Über manches dessen kann man sich aber einig werden, nach-vollziehen. Geteilte Stimmungsräume gibt es. Zum Beispiel: Das Meer. Der Strand, der heutzutage keine Funktion mehr hat – außer: Gedankenraum zu sein. Freiheit, Weite, Ewigkeit. Absenz von Pflicht.

“Ocean Shell on Ear…” steht auf Drift:In:Slow:Motions myspace-page unter der Rubrik “klingt wie:”. Und tatsächlich brummt es ab und an wie aus ozeanischen Tiefen. Ob’s die akustische Erinnerung der Muschel ist, oder eigene Kopf unter Wasser… Synthies, Computersounds. Digitales Frickeln und Wandern und Gitarren in möwenhafter Bewegung: Mal hoch ziehend, mal langsam durch den Sand im Kreis…

Halbdunkle Unterwasserbilder in Blue, organisches Akustikgitarrenpluckern in Home – vielleicht mit Blick auf das Strandhaus. Ein Langsamerwerden der Welt in Below, wie beim Herabtauchen ins tiefe Wasser von der Gitarre zum schwebenden Keyboard… Sieben Meeres-Lieder stehen auf der myspace-Page, ein bisschen Ruhe vom Ende der Welt haftet an allen. Bedenkt man, dass das Meer eben Stimmungsraum ist, und der Strand ein von der Industrie verlassener Raum: Was könnte auch besser passen, als Ambient, und die uneffizienten, geduldigen Strukturen von Post-Rock.

Und: Ob es Zufall ist, dass sich das Thema des Albums in der Aufnahmekonstellation wiederspiegelt?

fallen/legen: Chris, was “erzählt” dein Album?

Chris/D:I:S:M: Transfeeling schwimmt in der Thematik: “A Day By The Ocean”. Jeder Track steht für ein bestimmtes Gefühl, das geweckt wird, wenn man einen Tag alleine mit dem Meer verbringt.

Nach welchem Muster funktionieren die Songs – gibt’s einen konkreten “Inhalt”? Zum Beispiel bei Storm7, den wir hier zum Download haben?

Also ‘Storm7′ handelt von dem “Storm” der unerwartet aufzieht. Wie ein wankenes Schiff torkelt man durch Höhen und Tiefen…. am Ende wird allerdings alles wieder gut.
Was erscheint, ist der ersehnte Ort und das Gefühl was man hatte, bevor der Sturm aufzog…

Wie kams, dass du dir gerade das Meer als Thema ausgesucht hast? Steht dahinter ein ganz konkretes Erlebnis, oder eine besondere Affinität zu Wasser, oder…?

“A Day By The Ocean”, das Motto, bedeutet für mich vollkommene Entspannung und Freiheit. Es gibt für mich nichts schöneres, als das Meer ganz alleine, fernab von Trubel und Alltag genießen zu dürfen. Und… nichts unerforschter, spannender, faszinierender… als der Ozean!

…wie wichtig ist dabei das “allein”?

Das halte ich für absolut notwendig! Nur so kannst du dich vollkommen gehen und “treiben” lassen, bist nicht abgelenkt und Träume und Gefühle können sich entfalten.

Auf Deiner myspace-page steht auch dein Name allein – “spiegelt” sich das auch beim Aufnehmen, spielst du tatsächlich alles selbst ein?

Ja, ich spiel alles selber und alleine ein, in meinem “Homestudio”… D:I:S:M ist schon so eine Arte “side-project”, ich spiel noch in der Band Bitune, und arbeite außerdem mit Amos aus München zusammen. Allerdings nehm ich mein Projekt D:I:S:M sehr ernst. Ich möchte gern noch mehr Themen aufgreifen, und “musikalisch untermalen” – an Soundtracks bin zum Beispiel auch sehr interessiert.

Für einen eigenen Eindruck: Chris alias D:I:S:M hat uns einen Song zum freien Download vermacht: Im Sonntags-mp3 #30.

Titelfoto: Flo

Ein Kommentar.

  1. Neue Bekannte (30): D:I:S:M – Storm7-fallen/legen Am 22. June 2010 um 01:40 Uhr.

    [...] Konzepte gibt es noch mehr zu sagen: Dass D:I:S:M ein Ein-Mann-Projekt mit einem Konzept zum Thema Meer ist, zum Beispiel… Aber zum hier Hörbaren schließlich auch: Storm7 erzählt eine Beobachtung. Von Wasser und Luft. [...]