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Dienstagsfilm: Dark Horse

von Florian Naumann

…wie eine Farbe den Blick verändert: 2005, vor kaum ein paar Jahren, hat Dagur Kári Dark Horse gedreht – in schwarz-weiß.

Völlig moderne Menschen sind es, die über den Bildschirm flimmern: Daniel, Legastheniker und Taugenichts im eher sachten Gewirr der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, sprüht in einer Mischung aus Naivität und Pragmatismus für immer zu wenig Schwarzgeld Liebeserklärungen an die Hauswände. Der Junge, den sie Opa nannten arbeitet im Schlaflabor und versucht seinen Lebenstraum vom Überblick als Schiedsrichter für den Dänischen Fußballbund zu verwirklichen. Franc wohnt im Haus ihrer Mutter – und verliert ihren Bäckereijob, als sie auf Pilzen versucht Zimtschnecken zu verkaufen.

Das Leben ist ein Spiel – und in den Farben der Fernsehfrühzeit wirkt diese Sorglosigkeit, als wär sie schon vergangen. Oder ist tatsächlich am Kippen: Alles geht ein wenig schief, klappt nicht so ganz. Daniels und Francs Nordsommerliebe bekommt sehr reale Folgen, Opas Welt will sich nicht in das Planraster fügen, und die Sprayerei endet vor Gericht… Zeit loszulassen. “Voksne mennesker”, erwachsene Menschen, heißt Káris Film im Original.

Das schmerzt ein bisschen. Aber da sind auch noch die Erwachsenen im Film: Daniels Vater, Francs etwas verdrehte Mutter, und vor allem Daniels Richter – der das Schlafen verlernt hat, in seinem schönen Vorstadthaus, und den Weg heraus sucht… Und da gibt es auf einmal keinen Zielpunkt mehr, nur Menschenleben in schwarz-weiß, solche Einzigartigkeiten, die im Mittel ein Grau ergeben. Ein verschwimmendes, vergehendes. Und die eine Szene in Farbe: Franc schlafend auf Daniels Beifahrersitz, und eine Entscheidung. Menschen.leben.

Noch schöner als in der deutschen Version ist der Film auf dänisch mit englischen Untertiteln. Zum einen klingt die deutsche Synchronisation wie ein Gespräch in einer Sardinenbüchse – zum anderen: Dänisch ist eine wunderbare Sprache für das Bild des Biographiengewirr am Rand des Mainstreams.

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Dark Horse/Voksne Mennesker | Dagur Kárí | Jacob Cedergren, Tilly Scott Pedersen, Nicolas Bro, Morten Suurballe, Bodil Jørgensen | Musik: Slowblow | 2005 | imdb, wikipedia |

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