fallen/legen blog

Wortraum Göteborg / Texttape Göteborg

von Florian Naumann

Zeit für neue Musik – Zeit für neue Zeilen: Unser Klangraum #3 beschäftigt sich mit der westschwedischen Hafenstadt Göteborg.

Die Worte zur Musik haben wir diesmal nach dem einfachen Prinzip Perspektivenwechsel eingesammelt: Städte zeigen ihre ersten Eindrücke, für Besucher; Städte erschließen sich langsamer tiefer, für Menschen die einige Zeit in ihnen verbringen – und verlieren oft ihre Form für jene, die ein halbes Leben dort verbringen…

Oskar Hanska ist schwedischer Poetry-Slam-Meister des Jahre 2009 und lebt in Göteborg, Elisabeth Kolb studiert Komparatistik und hat zwei Austauschsemester dort verbracht, Florian Naumann hat Göteborg mehrmals besucht – allerdings nie länger als vier Tage.

917.000 Einwohner in Großgöteborg, 15 Tracks auf unserem Tape, und drei Perspektiven auf die selbe Stadt. Voilà:

inside/inifrån/innen: Oskar Hanska.

Oskar Hanska is a spoken word-poet and writer within the range of film, TV and digital games. During 2009 he won the Swedish National Poetry Slam Championship, released a record and a booklet – as well as toured Sweden’s biggest summer festivals for the third year in a row.

“she will kill you
when you are young”

everyone sings
in false voices to mold away
the echo of a bullet in flames

every city cemetery a cradle
her blood vessels on time
but only when waiting with one
you don’t want to part

distance is internal here
measured in fractured regrets
never allowed the crown
as her pet lion roams the
backbone tattoos of friends
meant as nothing
but lovers indefinitely

they keep singing
“she will kill you
when you are young”

all forgetting how
dying is nothing but fog
and a final rehearsal
of the rebirth trick

accept that kiss.

change/växla/wechseln: Elisabeth Kolb

Elisabeth Kolb har bott, pluggat och levt som utbytesstudent i Göteborg i ett år.

jag flög över sverige, jag kände igen allt och beundrade allt
tills piloten sa att det var danmark i havet under oss.

i ett år har jag bott där. sedan när jag skulle åka hem igen (hem?)
tog jag inte planet utan färjan av rädsla att missta något igen

i ett år har jag bott där. nu gör jag inte det längre. nu kollar jag på facebook och hittar ett fotoalbum som heter ”göteborg i mitt hjärta”. men det är inte mitt.

outside/utanför/außen Florian Naumann

Florian Naumann schreibt Worte für fallen/legen und andere – und besuchte im Juni 2006 zum ersten Mal Göteborg.

Tage legen sich zwischen Menschen und Plätze, und irgendwo dort hinter mir ist eine Nacht: Unten die Lichter der Stadt, und Straßen durch verklinkerte Wohngebiete, Hochhäuser in einem nächtlichen Morgen, unten.

Irgendwo auf dem Hinweg muss ein Lächeln liegen, die Hügel, das lange tiefblaue Herandämmern der Nacht – der Weg durch die Backsteinhäuser, und es war warm.
Der Weg durch den Wald – und irgendwo träumt das Meer. Ein Tag wartet noch, wir haben gelacht.

Das Sprechen ist nicht so laut, und der Moment steht still zwischen der Möglichkeit, der Vergangenheit, und der gewissen Zukunft. Es wird hier nie wirklich Nacht, und sie nimmt dem Licht in den Zimmern nicht die Wärme; wir hörten Musik, hatten alle Zeit,
hielten den Blick,
ermaßen die ganze Distanz, das Sprechen war nicht so laut:

Irgendwo hier muss ein Lächeln liegen, es war still, ein Tag wartete noch.

Blaues Meer und Inselfelsen.
Träumen mit verbrannten Gesichtern, noch eine blaue Nacht wölbt sich tief.

Ein Kommentar.

  1. Klangraum Vol. 3: Göteborg-fallen/legen Am 1. March 2010 um 18:17 Uhr.

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