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Neue Bekannte (19): Royal Train – Early Snow

von Florian Naumann

Einen rätsel- oder modern mythenhaften Reiz besitzt die Art von Ambient (oder schon Drone?), aus der Oscar Jacobsson seine dutzendminutenlangen Tracks webt: Es rauscht, griselt und brummt unter den einfachen raumklingenden Harmonien. Das braucht seine Zeit – aber Zeit vergeht auch langsam, und da wird die Welt eine große Kuppel. Es könnte ein Kirchenschiff sein. Oder die hohe, vogel- und wolkendurchflogene Schnee-, Regen und Sonnenkugel Südskandinaviens.

Balcony Compositions. Das ist der Name Royal Trains neuesten Mini-Albums, und das ist vielleicht auch die treffendste Assoziation: Ein Vorsprung aus Beton und Metallgitter an einem südschwedischen Mehrfamilienhaus, und darüber der weite Frühjahrshimmel. Seltsamerweise haben wenige Gegenden einen solchen Ein-Klang mit dieser Art Musik: Da reicht Luft immer bis zur Oberkante des Himmels, hat im Sommerabend noch eine verräterische hintergründige Kühle und über dem flachen Land und den Vorstadtstraßen fügen sich die Gedanken in langsam fließende Ströme – so mitten in einem großen Strom aus Leben und Vergehen. Nichts für Hektiker oder Geselligkeitsveranstaltungen. Aber viel zu fühlen.

Ein schöner Zusatzgrund Royal Train zu empfehlen: Alle Alben gibt es auf last.fm zum kompletten Gratisdownload. Und auf Youtube gibt es zum Track What The Future Holds ein Video einer Siebzigerjahrefahrt über Bad Aibling, Kiefersfelden, Innsbruck und den Brenner bis nach Italien. Mit wahrscheinlich längst verstorbenen Protagonisten und vergangener Automobilmode. Das neuste Album klingt allerdings besser – aber schließlich auch schön, wenn eine Entwicklung passiert.

Titelfoto: Oscar Jacobsson

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