fallen/legen blog

Gute Dinge wachsen lassen.

von Florian Naumann

“Leute, die an guter Musik interessiert sind, werden über Knoppar stolpern. Früher oder später”. Der mutige Satz dieses Interviews. Aber vielleicht ist ja etwas dran: Knoppar ist ein am Schleierhaften interessiertes Label aus Schweden – und nach dem Stolpern über Tvärvägen, der Vorstadtfantasie mit dem bunten Vogel, bleibt man leicht auch an Knoppar hängen.

“That’s where you can order my cd” schrieb Tvärvägens Henrik Öhberg mir auf eine Nachfrage im Sommer 2009, und fügte den Link bei – hinter dem sich nur vage Informationen, aber Entdeckungen wie A Perfect Friend und The Eyeshades verbargen. Oder auch Euphoria & The Lazy Boy und Violet Stains. Die Verbindung zwischen den Bands – die fragile, kluge Komposition, vielleicht?

“KNOPPAR is a small label, based in a suburb of a suburb of a suburb of a big city. KNOPPAR is also a wandering label.” – Die kurze Selbstbeschreibung auf myspace – ein wenig rätselhaft klingt das. Nachfragen also. Aber das Konzept mit dem Schleierhaften bleibt, und so entsteht ein anonymes E-Mail-Interview nach einem recht genauen Antwort-Plan, so scheint es. Und dann bricht, bei der vorletzten Frage, doch ein wenig faszinierte Plauderei durch. Der Gedanke im Zentrum: Etwas wachsen lassen, kein Druck durch Marktmechanismen. Was das Schöne mit einem Baum gemeinsam hat: Es wächst langsam, es kommt und geht und es lässt sich nicht zwingen.

Viel Rätsel und einiges Bedenkenswertes: Ein Gespräch mit einem eigenartigen Projekt. Und der Gedanke, der bleibt – so für’s tägliche Leben.

fallen/legen: Aus wievielen Leuten besteht denn Knoppar – und wer von euch antwortet mir gerade?

Knoppar: Wieviele Leute wir sind ist gar nicht interessant. Auch Namen sind nicht interessant. Was interessant ist, das sind die Musiker und die Musik. Im Grunde genommen sind die Bands das Label. Knoppar ist mehr wie ein Angestellter, der versucht, die wunderbare Musik der Künstler so vielen Leuten wie möglich vorzustellen.

Wie hat das alles denn angefangen, was war die Motivation zur Gründung?

Mit einem Treffen mit Henrik Öhbergs Band Ironville im August 2008 – an dem Abend hat er uns sein Nebenprojekt Tvärvägen vorgestellt, und September war eins der schönsten Stücke Musik, die wir jemals gehört haben. Da kam die Idee Knoppar zu gründen. Die Motivation also? Liebe und Leidenschaft für die Musik.

Wie kommt denn eure Zusammenstellung an Bands zustande – kennt ihr euch alle gegenseitig, oder sind das eher professionelle Erwägungen?

Kurz gefasst arbeiten wir mit der Musik die wir mögen. Einige Leute kennen wir, mit anderen haben wir noch nie persönlich gesprochen. Wir finden uns manchmal einfach so, aber manchmal fragen wir auch Leute, ob sie mit in die Knoppar-Familie wollen… Bands kommen und gehen. Aber es gibt da keine professionelle “Policy”.

Prominente Wörter in eurem Webshop sind “paper-sleeve” und “cd-r” – fließt viel persönliche Arbeit und Handarbeit in die Sache?

Das ist persönliche Arbeit und Handarbeit wie Sau!

Generiert das Label denn Geld? Oder ist es dann auch eher eine Investition für die Künstler und die Musik?

Manchmal machen wir Geld, und manchmal nicht. Aber das ist auch gar nicht wichtig. Eine der Ideen hinter Knoppar ist, “guten Dingen Zeit zum Wachsen zu geben”. Knoppar ist schwedisch für Knospen. – Das ist auch der Grund für die Papersleeves. Wir sagen: Lasst uns erstmal versuchen 50 oder 100 CD-Rs zu verkaufen – wenn das klappt, können wir vielleicht von dem Geld richtige CDs pressen. Schritt für Schritt.

Das ist alles mehr wie ein natürlicher Wachstumsprozess. Wir arbeiten nicht mit großen Vorschusskosten. Und deswegen liegt viel weniger Gewicht auf unseren Schultern und weniger Druck Geld zu verdienen. Es gibt eh nicht viele Leute, die noch CDs kaufen. Und die, die es tun sind ständig im “Kauf-Konflikt”, weil es jeden Monate soviele Veröffentlichungen gibt.

Wir haben also jede Menge Zeit. Wir gehören nicht zum “Hype-Business”. Das große Geschäft überlassen wir gern den anderen. Wir interessieren für gute Musik und die Kunst dahinter. Leute, die sich für gute Musik interessieren, werden über Knoppar stolpern. – Früher, oder später.

Also auch keine großen Zukunftspläne?

Nein, es gefällt uns, wie es ist!

Eine schöne Compilation der knoppar-Künstler gibt es auf der Label-Homepage: Klicken, und einen Haken bei “auto-play next file” setzen.

Ein Kommentar.

  1. fallen/legen Kleine, gute, Nachtlektüre-fallen/legen Am 24. May 2010 um 23:25 Uhr.

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