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Dienstagsfilm – Science of Sleep

von Mario Wimmer

Dienstagsfilm – Wir stellen euch an dieser Stelle jeden Dienstag einen besonderen Film vor. Einen Film von dem wir denken, dass er euch während eines gemütlichen DVD-Abends
begeistern könnte.

Orientierungslos und unsicher, es scheinen diese zwei Adjektive zu sein, die viele Männer Anfang 20 am Beginn dieses Jahrtausends passend charakterisieren. Sie treffen ebenso auf Xavier zu, den wir letzte Woche begleitet haben, wie auf Stéphane, der uns diese Woche begegnet. Stéphane den Träumer, der sich nach dem Tod seines Vaters fast total in die kindliche Welt seiner Phantasie zurückgezogen hat und es von dort wohl nie zu Protagonisten in einen Film geschafft hätte, wären da nicht seine Mutter, Frankreich und Stéphanie.

Noch so ein junger Mann an der Schwelle zum richtigen Leben also. Stéphane ist Anfang 20 und lebt in Mexico, sein Vater ist gerade gestorben und er selbst zurückgezogen in eine Traumwelt. Auf Wunsch seiner Mutter kommt er nach Frankreich und soll den Schritt ins echte, erwachsene Leben machen. So echt und richtig und erwachsen wie der Job den Stéphane durch seine Mutter in einer Werbeagentur vermittelt bekommt. Denn nüchterner wurde wohl selten das brutale Aufeinanderprallen des kreativ Träumerischen mit dem mechanisch Faktischen in der Werbewelt karikiert. Der Job, auf den Stéphane sich, aus
seiner Traumwelt heraus, mit einer surrealen Kalenderkollage von Naturkatastrophen, beworben hat, entpuppt sich als der eines Kopisten und Laufburschen in einer schrecklich kleinen und banalen Klitsche und der ganze bunte Traum vom Kreativen nur als eine lockende Illusion. Eigentlich ein Grund für Stéphane sich wieder in seine kindliche Traumwelt und nach Mexico zurückzuziehen, wäre da nicht Stéphanie, seine Nachbarin, die ihm in ihrer unbeholfenen Kreativität allzu ähnlich ist. Science of Sleep erzählt die vorsichtige Liebesgeschichte dieses seltsamen Paares.

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Die Liebesgeschichte zweier Figuren die, vor Allem im Fall Stéphanes, so voller kreativer Phantasie sind, dass sie die Fähigkeit zum Gewöhnlichen fast vollkommen verloren haben. Immer wieder und mit zunehmender Vehemenz dringt das Irreale aus Stéphanes Träumen in das Reale, die echt, wahre Welt ein. Die Grenzen verfließen, der kreative Kopf Stéphanes schafft die verrücktesten Verbindungen zwischen den
Ereignissen der beiden Welten und sorgt schlussendlich dafür, dass ihre, in einer angenommenen eindimensional Kausalwirkung Wirklichkeit – Traum, definierten Grenzen fast vollständig aufgehoben werden. In dieser Welt kommen Stéphane und Stéphanie sich langsam näher, gleichzeitig offenbart sie auch die Tragik ihres Verhältnisses: Nur im ungewöhnlichen schaffen die beiden etwas ganz gewöhnliches, nämlich zu kommunizieren. Was ihnen auf der Ebene des Gewöhnlichen nicht so recht glücken mag, ihr Verhältnis ist zwar einerseits geprägt vom vorsichtigen Tasten, andererseits aber auch vom spontanen Rückzug und derber Verletzung. Es ist dies das Tragik und das Dilemma dieser zwei Träumer, sie sind Herren und Gefangene ihrer Phantasie zugleich.

Nichts desto trotz, oder besser, gerade deshalb, sind sie die perfekten Begleiter in die Welt zwischen real und irreal und The Science of Sleep ein wunderbar surreales Abenteuer.

The Science of Sleep ( La science des rêves) | Michel Gondry | Gael García Bernal, Stéphane Miroux | 2006 | Partizan, Gaumont, France 3 Cinéma | imdb, Wikipedia | Bilder © Pathé Films

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