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Dienstagsfilm – L’Auberge Espagnole

von Mario Wimmer

Dienstagsfilm – Wir stellen euch an dieser Stelle jeden Dienstag einen besonderen Film vor. Einen Film von dem wir denken, dass er euch während eines gemütlichen DVD-Abends begeistern könnte.

Man muss ja auch nicht immer verlorengehen, auf so einer Reise. Vielleicht, vielleicht ist man anfangs etwas orientierungslos und unsicher auf was man sich da eingelassen hat. Nachdem man sich aber dann auf Land und Leute eingelassen hat läuft im Allgemeinen doch alles turbulent bis glatt, man verliert ein wenig und gewinnt umso mehr. Willkommen auf der größten Reise in Xaviers Leben, willkommen in seinem ERASMUS-Jahr in Barcelona, willkommen in L’Auberge Espagnole.

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Xavier ist 24 und studiert Wirtschaft irgendwo in Frankreich. Er hat keine Ahnung was einmal aus ihm werden soll und ist umso dankbarer als ein Studienfreund seines Vaters ihm anbietet ihm einen Job bei der europäischen Union zu verschaffen. Voraussetzung für den ebenso trockenen wie bequemen Bürokratensessel sind allerdings Spanischkenntnisse. Da Xaviers Wissen über Spanien sich auf Ibiza beschränkt, bewirbt er sich für ein Auslandsjahr in Barcelona, wird angenommen und macht sich auf den Weg in ein weitestgehend fremdes Land. L’Auberge Espagnole versucht das folgende Jahr in all seinen Höhen, Tiefen, Wahrheiten und Klischees einzufangen und ist dabei höchst erfolgreich.

Man muss nicht unbedingt in einem anonymen tokioter Hotel oder in der exterritorialen Ritze zwischen zwei Ländern verlorengehen. Bisweilen reicht als existentielle Krise des Helden schon die ganz normale, latente Orientierungslosigkeit aus, die das Leben unserer wohlbehüteten Generation auszeichnet wie wohl das keiner Zweiten vor uns. Ein Leben so voll von Möglichkeiten und gleichzeitig Unsicherheiten, dass eine sinnvolle Orientierung schlicht und einfach unmöglich erscheint. Abhilfe verschafft nur eines, ein paar Schritte tun, unterwegs ein paar Möglichkeiten und Unsicherheiten verlieren, neue Sicherheiten und Erfahrungen gewinnen und am Ende zurückblicken. Denn nur dort, in der Vergangenheit, wird er sichtbar, unser Weg. Erst retrospektiv betrachtet gewinnt das schrittweise, langsame herausschälen und auswählen immer nächster Schritte eine Bedeutung und einen Sinn. Denn bedeutend ist und Sinn macht was uns bis hierher gebracht hat, was uns den Grund verschafft hat für den nächsten Schritt, ins Ungewisse.

Aus dieser Erkenntnis muss auch Xavier in der Klammer des Filmes zum Erzähler werden, zum Erzähler seiner Erlebnisse in Barcelona, um sich einen festen Grund zu verschaffen, für die Schritte die da kommen.

L’Auberge Espagnole | Cédric Klapisch | Romain Duris, Judith Godrèche, Audrey Tautou, Cécile De France | 2002 | Bac Films, France 2 Cinema | imdb, Wikipedia | Bilder © Tobis

2 Kommentare!

  1. Dienstagsfilm – Science of Sleep-fallen/legen Am 25. January 2010 um 21:32 Uhr.

    [...] Anfang 20 am Beginn dieses Jahrtausends passend charakterisieren. Sie treffen ebenso auf Xavier zu, den wir letzte Woche begleitet haben, wie auf Stéphane, der uns diese Woche begegnet. Stéphane den Träumer, der sich nach dem Tod [...]

  2. Dienstagsfilm – Cashback-fallen/legen Am 2. February 2010 um 21:58 Uhr.

    [...] Xavier und Stéphane träumt auch Ben gerne. Wenn auch nicht ganz freiwillig, denn die Ursache seiner [...]