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Dienstagsfilm – Antichrist

von Mario Wimmer

Dienstagsfilm – Wir stellen euch an dieser Stelle jeden Dienstag einen besonderen Film vor. Einen Film von dem wir denken, dass er euch während eines gemütlichen DVD-Abends begeistern könnte.

Der Schnee knirscht noch nicht unter den Füßen, stattdessen streichelt uns lau der wirre Herbstföhn. Ein Grund mehr für noch einen dunklen Film, für einen schweren Film. Lars von Triers Antichrist. Vielleicht liegt eine Begründung für die unglaubliche Gewalt mit der Lars von Trier in Antichrist das Thema Depression behandelt in seiner eigenen Erfahrung mit der Krankheit während der Vorbereitungen zu diesem Film. Und vielleicht liegt darin auch der Schlüssel warum es ihm mit diesem tragischen, quälenden, brutalen Film das Phänomen Depression so umfassend einzufangen. Warum es ihm gelingt den Zuschauer mit seiner Tragödie nicht nur zu quälen, sondern ihm auch die Befriedigung und Befreiung einer Katharsis zu verschaffen.


Bild: (c) Zentropa Entertainment

Quälend langsam breitet sich bereits der Beginn des Filmes vor den Zuschauern aus. Unendlich langsam die schwarz-weißen Bilder, an der Grenze zum Standbild schaffen sie eine beeindruckende Intensität. Eine Winternacht, ein Raum, darin ein kleiner Junge im Laufstall, einige Räume weiter, seine Eltern, vereint im Akt. Beide streben einem Ziel entgegen, die Eltern nur für sich, der Junge den Schneeflocken die vor dem offenen Fenster tanzen. Schon aus den ersten Bildern ist klar, was geschehen muss, es gibt keinen Ausweg aus der Tragödie und doch breitet sich das Geschehen über viele Minuten aus, in poetisch, halb-erstartem schwarz-weiß. Minuten die die Aufmerksamkeit auf Details lenken, wie das einer kurzen Überschneidung der beiden Handlungen, einer Entscheidung kurz vor dem Höhepunkt und der Katastrophe.

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Das Thema Lars von Triers ist das Potential des Menschen zum Bösen und zum Irrationalen, zum Unkontrollierten. Er spannt den Bogen aus dem dunklen Mittelalter und seinen Hexenverbrennungen, als das Christentum noch mit dem Böse und seiner Repräsentation, der Natur, kämpfte bis zur modernen Psychotherapie, die das Böse als Irrationales und Unkontrolliertes abstrahiert wird. Er stellt die Frage, was wenn? Was wenn wir böse, irrational, unkontrolliert sind und jeder Versuch diesen Aspekt auszusperren scheitern muss? Antichrist ist kein leichter, kein unterhaltender Film, Antichrist ist brutal auf der bildlichen Ebene und noch viel mehr auf der Ebene seiner Handlung und seiner Ideen. Aber wer sagt, dass gute Filme immer leicht sein müssen?


Bild: (c) Zentropa Entertainment

Antichrist | Lars von Trier | Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg | 2009 | Zentropa Entertainments | imdb, Wikipedia

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